Erdogan – endlich eine gute Tat

Erdogan hat den heutigen Tag, den 11. November, zum „Tag des Waldes“ erklärt.

Er ging mit seinem ungarischen Kollegen Viktor Orban in einen Wald und da pflanzten die beiden einen Baum.

Erdogan und Orban – der gemeinsame Waldspaziergang

Dann kündigte der türkische Präsident an:

„In den vergangenen 19 Jahren unserer Regierungszeit haben wir bis jetzt 5,5 Milliarden Bäume eingepflanzt und werden bis Ende 2023 die Zahl der neuen Bäume auf 7 Milliarden erhöhen.“ (Vgl. Hürriyet v. 11.11.2021 – https://www.hurriyet.com.tr/gundem/son-dakika-11-kasim-milli-agaclandirma-gunu-cumhurbaskani-erdogan-duyurdu-81-ilde-81-millet-ormani-41937058)

Ich dachte, das ist endlich mal eine gute Tat des Präsidenten, eine großartige Initiative nach den vielen Waldbränden in diesem Jahr.

5,5 Milliarden Bäume wachsen schon. Und in zwei Jahren werden es schon bald 7 Milliarden neue, junge Bäume in den Himmel ragen, Kohlendioxid zu Sauerstoff verarbeiten, für den Regen sorgen.

Aber just in diesem Moment holte mich meine Vergangenheit ein. Mein Mathe Studium.

7 Milliarden Bäume werden es nach 21 Jahren sein, Ende 2023.

21 Jahre haben 7665 Tage.

Vorausgesetzt es gibt keinen einzigen freien Tag wären es 913.242 Bäume am Tag, die bepflanzt werden.

In der Stunde wären es 38.051 Bäume.

In der Minute sind es dann 634 Bäume.

Schliesslich pflanzen die Arbeiter des türkischen Präsidenten 11 Bäume in der Sekunde an, rund um die Uhr ohne Pause.

Scheiss Mathematik. Sie zerstört alle meine Illusionen.

In ihre Heimat abgeschoben

Die Türkei hat seit 2011 ingesamt 8.585 „ausländische Terroristen“ mit 102 verschiedenen Nationalitäten aus dem Land in ihre Heimatstaaten abgeschoben. Das teilte das türkische Innenministerium am Samstag mit. (https://www.icisleri.gov.tr/2011-yilindan-gunumuze-102-farkli-uyruktan-8585-yabanci-terorist-savasci-sinir-disi-edildi)

Seit Beginn des Bürgerkriegs in Syrien wurden laut einer Erklärung des Ministeriums Terrorverdächtige aus insgesamt 102 Ländern aus der Türkei ausgewiesen, darunter 1.075 aus den EU-Staaten und 44 aus den USA.

Die Verdächtigen hätten ihre Heimat verlassen, um sich Gruppen wie dem Islamischen Staat (IS) und der verbotenen Arbeiterpartei Kurdistans (PKK) sowie PKK-nahen Gruppen in Syrien anzuschließen, hieß es.

Die Türkei hat seit 2016 mehrere grenzüberschreitende Operationen im benachbarten Syrien durchgeführt, die sich gegen Gruppen richteten, die mit der PKK in Verbindung stehen sollen.

Demnach wurden im Jahr 2019 insgesamt 126 „terroristische Kämpfer“ aus 12 EU-Staaten, Im Jahr 2020 insgesamt 95 „terroristsiche Kämpfer“aus 8 Staaten der EU in ihre Heimatländer abgeschoben.

In den ersten zehn Monaten dieses Jahres waren 61 „terroristische Kämpfer“, die in ihre Heimat abgeschoben wurden.

Französische, deutsche, niederländische, belgische, finnische, schwedische, rumänische und britische Staatsangehörige führten die Liste der Staatsangehörigen an, die die Türkei in den letzten drei Jahren wegen mutmaßlicher Mitgliedschaft in einer Terrorgruppe aus dem Land abgeschoben hat, so das Ministerium.

Das Ministerium sagte nichts zu einer Kooperation mit den jeweiligen Heimatländern bei der Abschiebung aus, und wie eine solche Abschiebung läuft.

„Öffnen Sie die Tür, Herr Direktor, ich habe eine Doktorarbeit zu verteidigen“!

Das türkische Medienportal Bianet hat die Statistiken der Generaldirektion für Gefängnisse und Haftanstalten vom September 2021 ausgewertet und herausgefunden, dass 460 Gefangene in diesen Knästen des Landes einen Doktortitel haben:

Die Mehrheit der Gefangenen mit einem Doktortitel sind Männer, nur sechs Frauen haben eine abgeschlossene Promotion. Darüber hinaus gibt es in den Gefängnissen der Türkei auch 2.371 Gefangene, die ihr Masterstudium abgeschlossen haben.

Die Tatsache, dass es mehr als 2.000 Gefangene mit einem Master-Abschluss gibt, zeigt die aktuellen Dimensionen des akademischen Freiheitsentzugs als eine weitere Etappe der Verknappung der Intelligenz in der Türkei. Während die Elite-Universität Bogazici über 449 promovierte Fakultätsmitglieder verfügt, gibt es in den Gefängnissen 460 Gefangene mit einem Doktortitel.

Die September-Daten der Generaldirektion für Gefängnisse und Haftanstalten haben auch gezeigt, dass neben den Gefangenen mit einem Magister- und Doktortitel auch 27.515 Hochschulabsolventen hinter den Gittern sitzen.

27 Tausend Hochschulabsolventen in Gefängnissen“.

In diesen Tagen, in denen das neue akademische Jahr an den türkischen Universitäten gerade begonnen hat, haben diejenigen, die „draußen“ sind, Probleme, eine Unterkunft zu finden, während die 27.000 Hochschulabsolventen „drinnen“ Probleme haben, freien Zugang zur Bildung zu erhalten.

Muslimbrüder

Es vergeht kein Tag, wo ich nicht eine Horrormeldung aus Afghanistan erhalte. Gestern erfuhr ich von einem afghanischen Flüchtling, dass seinem Nachbar in Afghanistan zwei Töchter, 12 und 14, weggenommen wurden. Dem Vater wurde gesagt, dass seine Töchter jetzt zwei Taliban-Kämpfer heiraten werden. Es ist sicher, dass die Familie die Töchter nie mehr sehen wird.

Und mit diesem Terrorstaat in Afghanistan paktieren viele Diktatoren. Darunter un an erster Stelle der türkische Staatspräsident Erdogan. Der türkische Journalist Burat Bekdil arbeitet in einem Think-Tank Institut in den USA. Hier seine Analyse zu den Hintergründen des Engagements der Türkei in Afghanistan: (https://www.gatestoneinstitute.org/17763/turkey-nato-russia-taliban)

Seit ihrer Gründung im Jahr 1994 praktizieren die Taliban die berüchtigtste Rechtsdurchsetzung auf der Grundlage der Scharia, einschließlich Enthauptungen, Steinigungen von Frauen, Burka-Zwang für Frauen, Tötung von Studentinnen, Gruppenvergewaltigungen, Einsperren von Frauen in ihren Häusern und verschiedene andere mittelalterliche Praktiken. Nun hat zum ersten Mal in der Geschichte der NATO der Präsident eines Mitgliedslandes, Recep Tayyip Erdoğan, erklärt, dass die Auslegung des Islam durch die Taliban nicht im Widerspruch zu der in der Türkei steht.

In der Tat scheint eine Liebesbeziehung zum Islam zu erblühen. Ende August baten die Taliban die Türkei um technische Unterstützung für den Betrieb des Flughafens von Kabul. Die mit der Hamas verbündete Türkei und Katar haben seitdem mit den Taliban über die Bedingungen für die Wiedereröffnung des Hamid-Karsai-Flughafens verhandelt; lediglich die Frage der Sicherheit von Technikern, Privatunternehmen und Sicherheitspersonal, die den Flughafen betreiben sollen, ist noch offen. Am 2. September erklärte die Türkei, sie prüfe Vorschläge der Taliban für den sicheren Betrieb des Flughafens von Kabul nach der Rückkehr der radikalen Bewegung an die Macht in Afghanistan.

„Wir haben unsere ersten Gespräche mit den Taliban geführt, die dreieinhalb Stunden gedauert haben“, sagte Erdoğan am 27. August vor Reportern. „Wenn nötig, werden wir die Gelegenheit haben, solche Gespräche erneut zu führen.“

Auch der türkische Außenminister Mevlüt Çavuşoğlu erwähnte am 6. September, dass die Türkei in „direkten Gesprächen“ mit den Taliban über die Zukunft Afghanistans stehe. „Schließlich“, so der Minister, „wäre es falsch, wenn sich die Türkei komplett aus Afghanistan zurückziehen würde.“

Die sich abzeichnende Allianz zwischen türkischen Islamisten und afghanischen Radikalen scheint nicht unerwidert zu bleiben. Taliban-Sprecher Zabihullah Mudschahid erklärte, ein türkisches Technikerteam sei bereits in diesem Monat in Kabul eingetroffen, um bei der Wiedereröffnung des Flughafens für Inlands- und Auslandsflüge zu helfen. Ein von Middle East Eye im August aufgedeckter Vertragsentwurf sah vor, dass die Türkei die Taliban als rechtmäßige Regierung Afghanistans anerkennt und die Sicherheit des Flughafens in Kabul durch eine private Firma gewährleistet.

Am 6. September berichtete Al Jazeera, dass die Taliban die Türkei, China, Russland, den Iran, Pakistan und Katar zu einer Zeremonie eingeladen haben, bei der eine neue afghanische Regierung nach dem dramatischen Rückzug der USA angekündigt werden soll. Die Türkei ist das einzige NATO-Mitglied, das auf der Gästeliste der Taliban steht. Sie ist das einzige Land mit einer offiziellen (Kandidatur-)Verbindung zur Europäischen Union.

Um die Taliban herum bildet sich in einer bizarren Kombination aus Interessenkonvergenz und ideologischer Verwandtschaft ein neuer antiwestlicher Kreis, dem auch ein williger NATO-Mitgliedstaat angehört.

Die islamistische Ideologie ist nicht das einzige Motiv für die Türkei, sich der auf die Taliban ausgerichteten Gruppe inoffizieller Verbündeter anzuschließen. Russland zum Beispiel erkennt die Taliban nicht an. Anti-westliche Gefühle bringen diese regionalen Mächte zusammen, die nun die radikalen Machthaber Afghanistans umwerben.

Die Partnerschaft der Türkei in dem von den USA geführten multinationalen Konsortium, das den Kampfjet F-35 baut, wurde ausgesetzt, nachdem Ankara beschlossen hatte, das russische Luftabwehrsystem S-400 zu erwerben. Diese Entscheidung kostete die Rüstungsindustrie in der Türkei 10 Milliarden Dollar an verlorenen Aufträgen und Sanktionen der USA (CAATSA). Der Schaden ist im Übrigen nicht nur einseitig. Die harte Lektion, die man gelernt hat, wenn man sich bei einer kritischen Produktion auf einen „Verbündeten“ verlässt und diese Fähigkeit dann aufgrund politischer Veränderungen verlagern muss, wird die US-Steuerzahler letztendlich zwischen 500 und 600 Millionen Dollar an einmaligen technischen Kosten verursachen, so Ellen Lord, die frühere Staatssekretärin im Verteidigungsministerium für Beschaffung.

Auf türkischer Seite scheint man die Lektion überhaupt nicht gelernt zu haben. Der staatliche russische Waffenexporteur Rosoboronexport erklärte Ende August, dass er möglicherweise bald einen neuen Vertrag mit der Türkei über die Lieferung weiterer S-400-Luftabwehrraketensysteme unterzeichnen wird. „Die Konsultationen gehen weiter. Ich glaube, sie befinden sich bereits in der Abschlussphase“, sagte Rosoboronexport-Generaldirektor Alexander Mikheev auf dem Internationalen Militärtechnischen Forum „Army-2021“, ohne Einzelheiten des möglichen Vertrags zu nennen.

Erdoğan bestätigte dies und sagte am 29. August, dass die Türkei nicht zögere, eine zweite Serie von S-400 aus Russland zu kaufen. „Was … den Kauf des zweiten [S-400] Pakets und so weiter betrifft, zögern wir in dieser Hinsicht nicht. Wir haben viele Schritte mit Russland unternommen, ob es nun um die S-400 oder die Verteidigungsindustrie geht“, sagte Erdoğan gegenüber Reportern.

Das militärische Engagement Russlands in der Türkei könnte sich nicht nur auf ein modernes Luftabwehrsystem beschränken. Der Direktor des russischen Föderalen Dienstes für militärisch-technische Zusammenarbeit, Dmitri Schugajew, hat signalisiert, dass Moskau und Ankara Gespräche über mögliche Joint Ventures im Zusammenhang mit den Bemühungen der Türkei um den Bau eines neuen einheimischen Kampfflugzeugs, des TF-X, führen. „In diesem Stadium laufen Konsultationen mit der türkischen Seite auf der Ebene von Fachgruppen zu Fragen des Zusammenwirkens bei der Schaffung des nationalen türkischen Kampfflugzeugs“. sagte Schugajew.

Das Afghanistan-Drama von US-Präsident Joe Biden wird eine Reihe von antiwestlichen Allianzen anregen, die auf unterschiedlichen antiwestlichen Berechnungen beruhen. Beweise? Schauen Sie sich nur die Namen der Länder an, die auf der Einladungsliste der Taliban für ihre Geburtstagsparty stehen.

MULTIKULTURALISMUS

Das ist mein erster Beitrag auf meiner neu eingerichteten Internetseite.

Mein erster Beitrag betrifft diesen alten Kulturbegriff „Multi-Kulti“. Ich wollte schon lange was dazu schreiben, aber dann las ich ein Buch einer alten Bekannten. Ein Buch von Ayaan Hirsi Ali.

„Der Westen neigt dazu, auf die sozialen Misserfolge muslimischer Einwanderer mit dem zu reagieren, was man als Rassismus der niedrigen Erwartungen bezeichnen kann. Diese westliche Haltung basiert auf der Idee, dass Menschen mit Hautfarbe von „normalen“ Verhaltensstandards ausgenommen werden müssen. Es gibt viele gute Männer und Frauen im Westen, die versuchen, Flüchtlinge umzusiedeln und sich um die Beseitigung von Diskriminierung bemühen. Sie setzen sich bei den Regierungen dafür ein, dass Minderheiten von den Verhaltensnormen der westlichen Gesellschaften ausgenommen werden; sie kämpfen dafür, dass Minderheiten ihre Kultur bewahren und ihre Religion vor kritischer Prüfung verschont bleibt. Diese Leute meinen es durchaus gut, aber ihr Aktivismus ist nun ein Teil des Problems, das sie zu lösen versuchen. Ihre Bemühungen, Muslimen und anderen Minderheiten zu helfen, sind vergeblich, denn indem sie die Illusion erwecken, dass man an Stammesnormen festhalten und gleichzeitig ein erfolgreicher Bürger werden kann, sperren die Befürworter des Multikulturalismus die nachfolgenden Generationen, die im Westen geboren wurden, in einem Niemandsland der moralischen Werte ein. Was in eine mitfühlende Sprache der Akzeptanz verpackt wird, ist in Wirklichkeit eine grausame Form des Rassismus. Und es ist umso grausamer, weil es in zuckersüßen Worten der Moral daher kommt.“


aus: „Nomad: Eine persönliche Reise durch den Clash of Civilizations